Engagierter Vortrag der AsF-Landesvorsitzenden Claudia Sünder bei der SPD Heidelberg

Veröffentlicht am 04.01.2010 in Veranstaltungen
 

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird zur Frau gemacht“, dieses Zitat von Simone de Beauvoir stand mit im Hintergrund eines Vortrags von Claudia Sünder. Die frisch gebackene, dynamische Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD Baden-Württemberg war einer Einladung der SPD Heidelberg gefolgt.

Sie berichtete von diversen persönlichen Erfahrungen mit Diskriminierung. Sünder erzählte von einer Stellenbesetzung in der Hausverwaltung, in der sie früher arbeitete. Die ideale Büro-Arbeitskraft sollte so aussehen: Keine zu attraktive junge Frau sollte es sein, das wollte die im Betrieb mit arbeitende Chefin nicht. Zu alt sollte die Frau auch nicht sein, da könnte die Leistung nicht stimmen. Auf keinen Fall durfte es eine Frau mit Kindern, am Ende noch allein erziehend, sein. Die Kinder könnten krank werden oder ihre Mutter zu stark beanspruchen. Genommen wurde schließlich ein Mann als Sachbearbeiter, dessen Arbeitsmoral dann stark zu wünschen übrig ließ. Das Leben schreibt eben die besten Geschichten...

Claudia Sünder stellte heraus, wie groß die Einkommensunterschiede bei Männern und Frauen leider sind. Die Lohn-Kluft sei dabei im Westen größer als im Osten und ziehe sich durch alle Branchen. Je größer der Betrieb, desto größer sei der reale Einkommensrückstand weiblicher Berufsanfänger. Claudia Sünder formulierte es so: „Das Ungleichgewicht der Einkommen ist die Folge tief verwurzelter gesellschaftlicher Entwicklungen, die über Jahrzehnte hinweg ein Wertesystem geformt haben, das Frauen von Grund auf benachteiligt. Mutti steht am Herd und Vati geht arbeiten. Wenn Mutti arbeiten geht, ist das Privatvergnügen und nicht Erfüllung ihrer Kernaufgabe“, so Claudia Sünder in ihrem Vortrag.

Nur in Berufen, die als „typisch weiblich“ angesehen werden, verdienten Frauen zum Karrierebeginn mehr – würden aber oft in den Folgejahren von ihren männlichen Kollegen überholt. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland zwar nicht ganz unten - in Polen oder Spanien ist die Lohndiskrepanz noch größer. Keinesfalls sollten wir uns als führende europäische Wirtschaftsmacht die Schlusslichter zum Vorbild nehmen. So ist das Lohngefälle in vielen europäischen Ländern seit 1995 geschrumpft. In Deutschland dagegen nahm es zu.

Immer wieder projizierte die Referentin detaillierte Übersichten und Statistiken auf die Leinwand des gut gefüllten Saales. So manch eine/r im Publikum staunte, wie stark die Ungleichbehandlung von Frau und Mann – viele Jahre nach 1968 und Alice Schwarzer – wirklich ist. Sie nannte ein Beispiel: Der Unterschied beim Einstiegslohn im Vergleich weibliche/männliche Berufseinsteiger beträgt zwischen 4,9 Prozent im Bereich Energie/Wasser und 21,2 Prozent im Kredit- und Versicherungsgewerbe. Im europäischen Vergleich liege Deutschland zwar nicht an letzter Stelle - in Polen oder Spanien sei die Lohndiskrepanz noch größer. „Keinesfalls sollten wir uns als führende europäische Wirtschaftsmacht die Schlusslichter zum Vorbild nehmen“, so Sünder. So sei das Lohngefälle in vielen europäischen Ländern seit 1995 geschrumpft, in Deutschland dagegen nahm es zu.

Im Hinblick auf das Verhältnis Arbeitervertretung/Großkapital sagte sie: „Es ist längst erwiesen, dass die Existenz eines Betriebsrates und einer Tarifbindung zu einem geringeren Lohnabstand zwischen den Geschlechtern führen“. Erfolgreiche Praxisbeispiele wie etwa ein Diskriminierungs-Check von Tarifverträgen durch Betriebsrätinnen oder Statistikerhebungen zur Entgeltpraxis durch die Gleichstellungsbeauftragte existierten bereits. Hierfür müssten Frauen und Männer in der Sozialdemokratie weiter kämpfen, im Detail und im großen Wurf. Viele Ungerechtigkeiten existieren trotzdem noch:

„Da die prestigeträchtigen Berufe von Männern dominiert werden, wird Frauenjobs ein geringerer Status zugeschrieben. Frauen werden als unqualifizierter eingestuft, weil die Frauendomänen des Arbeitsmarkts im gesellschaftlichen Wertesystem einen geringeren Status haben“, erläuterte Claudia Sünder.

Dem Erziehungsgeld erteilte die Referentin eine klare Absage: Frauen sollten weiter für die kostenfreie Kinderbetreuung kämpfen, sich gegen die Herdprämie wehren. Das Erziehungsgeld sei ein „Fesselbonus“, sagte Sünder. „Wir leben im 21. Jahrhundert, hat das bei Schwarz-Gelb schon jemand gemerkt?“, diese Frage stellte sie in den Raum. Sünders Vortrag gipfelte in der (bewusst provokanten) Forderung, Männer sollten – je nach Branche – bis zu 25 Prozent ihres Einkommens Frauen überlassen. Nicht unmittelbar, sondern über einen Art Fonds, dem Soli für die neuen Bundesländer vergleichbar. Aus diesem Fonds könnten dann Maßnahmen in den Bereichen Kinderbetreuung und Förderung von Kindern und Jugendlichen finanziert werden - zur Entlastung der Frauen, die immer noch den Großteil der Erziehungsarbeit leisten.

Politisch kaum durchsetzbar, stimmte der Vorschlag das Publikum nachdenklich und reizte zur Diskussion. Ansätze in Richtung Gleichbehandlung auch bei der Entlohnung gibt es bereits, dass es an der Zeit wäre, diesen Ansätzen und dem Nachdenken auch die Umsetzung in die Praxis folgen zu lassen, war die Grundstimmung der engagierten Diskussion, die dem Referat von Claudia Sünder folgte. (Huntscha)

 

Homepage SPD Rhein-Neckar

Unser Abgeordneter im Landtag

Jan-Peter Röderer MdL

Neues aus dem Land

Daniel Born( „Missmanagement der Wirtschaftsministerin und CDU-Seilschaften kosten das Land Millionen“ : https://www.spd-landtag-bw.de/spd-zum-abschlussbericht-des-untersuchungsausschusses-baden-wuerttemberg-haus/

Die SPD-Landesvorsitzenden fordern: Junge Menschen verdienen Gehör statt Vorverurteilung. Angesichts unsicherer Zukunftschancen, von guter Ausbildung über bezahlbares Wohnen bis zu einem funktionierenden Klima, sollte Politik mit der jungen Generation sprechen und nicht Drohszenarien aufbauen.

Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas als Parteivorsitzende soll ein Parteitag im Januar eine neue Bundesspitze der SPD wählen. Die Landesvorsitzenden der SPD Baden-Württemberg Isabel Cademartori und Robin Mesarosch fordern in einem gemeinsamen Statement eine Trennung von Regierungsamt und Parteivorsitz.

Die Landesvorsitzenden der SPD Isabel Cademartori und Robin Mesarosch zeigen sich schockiert über Medienberichte, dass ein von der Landesregierung versprochenes gebührenfreies Kita-Jahr vor dem Aus stehe. "Wir fordern seit Jahren gebührenfreie Kitas für Baden-Württemberg", so die Doppelspitze.

 

Neues aus Berlin

Beim Erben läuft heute etwas grundlegend falsch. Wer ein Haus erbt, zahlt Steuern. Wer ein Milliardenvermögen erbt, oft keinen Cent. Das ist nicht gerecht.

21.09.2026 13:36
Stark gegen rechts.
Was wir für den Schutz unserer Demokratie tun und wie Du mitmachen kannst.

16.09.2026 09:38
Zusammen Zukunft schreiben..
Eine neue Zeit braucht eine neue SPD. Deshalb entwickelt die SPD ein neues Grundsatzprogramm und erneuert sich zugleich.